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ⓘ Hans Hetzel war ein Metzgermeister, der 1955 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Vierzehn Jahre später wurde Hetzel nach einer erfolgreichen Wie ..



                                     

ⓘ Hans Hetzel

Hans Hetzel war ein Metzgermeister, der 1955 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Vierzehn Jahre später wurde Hetzel nach einer erfolgreichen Wiederaufnahme des Verfahrens in einer erneuten Hauptverhandlung freigesprochen. Der Fall Hetzel ging in die Rechtsgeschichte ein, weil er zum einen das Dilemma sich widersprechender Sachverständigen-Gutachten und darauf gründender richterlicher Urteile offenbarte, und weil er zum anderen eine große Aufmerksamkeit durch die Presse erfahren hatte. Dem Schriftsteller Thomas Hettche diente dieser Fall eines Justizirrtums als stoffliche Vorlage für den 2001 erschienenen Roman Der Fall Arbogast. Details zum Fall Hetzel werden ausführlich in der Autobiografie des Gerichtsmediziners Albert Ponsold geschildert.

                                     

1. Hintergrund

Im September 1953 wurde an einer Bundesstraße in der Nähe von Offenburg die unbekleidete Leiche der 25-jährigen Magdalena Gierth gefunden. Kurz darauf meldete sich der junge Schlachter Hans Hetzel bei den örtlichen Behörden und gab an, er habe die junge Frau vor kurzem als Anhalterin mitgenommen und es sei an jenem Abend zu mehrmaligem Geschlechtsverkehr gekommen. Hetzel erklärte, dass er beim Analverkehr, bei dem er gänzlich unerfahren gewesen sei, plötzlich verspürt habe, dass Magdalena tot sei. Er versuchte sie wiederzubeleben, schaffte es aber nicht. In seiner Panik habe er dann die Leiche in nahegelegenen Büschen versteckt. Keiner der Beamten glaubte ihm seine Version des Geschehens, so dass es zum Prozess kam.

Dieser Prozess erregte große Aufmerksamkeit in der westdeutschen Öffentlichkeit, insbesondere deswegen, weil zum ersten Mal in einem deutschen Gericht pikante sexuelle Details besprochen wurden. So wurde auch die angeblich besondere Größe von Hetzels Penis in die Beweiskette aufgenommen – ein Schock in der Prüderie der 1950er Jahre. Dass Hetzel trotz seiner Ehe als Schürzenjäger galt, öfter Anhalterinnen mitnahm und wegen eines Unfalls mit Todesfolge vorbestraft war, wirkte sich im Prozess zu seinen Ungunsten aus. Besonderes Vertrauen brachte das Gericht dem Mediziner Professor Albert Ponsold, dem damaligen Star der westdeutschen Gerichtsmedizin, entgegen. Sein Gutachten gründete auf dem Sektionsprotokoll und dazugehörigen Obduktionsfotos der Leiche, an deren Kieferwinkelknochen scheinbar deutliche Abdrücke eines Stricks und nach Ponsolds Meinung typische Drosselmerkmale zu erkennen waren. Für einen Erstickungstod durch Erdrosseln sprach auch die bei der Obduktion festgestellte Erweiterung des Herzens.

Die Obduktion ergab insgesamt 20 verschiedene Befunde, die von besagten Drosselmerkmalen bis hin zu zahlreichen Blutungen an verschiedenen Körperstellen reichten. Ponsold schloss aus dem Obduktionsbefund und Fotografien auf einen sukzessiven Tathergang: Das Opfer wurde mit der Faust ins Gesicht bewusstlos geschlagen, atmete Blut ein Befund "Blut in der Lunge", wurde anal penetriert und schließlich mit einem Strick erwürgt. Ponsolds Schlüsselargument war, dass jeder der Einzelbefunde verschiedene, zum Teil auch postmortale Ursachen haben konnte, dass jedoch die Kombination der Einzelbefunde zu einer zusammenhängenden Befundkette das Spektrum möglicher Ursachen erheblich einschränkte.

                                     

2. Freispruch

Auch nach der Verurteilung beharrte Hans Hetzel auf seiner Unschuld und versuchte mit Hilfe seines Anwalts, ein neues Verfahren anzustrengen. Mehrere Wiederaufnahmeverfahren waren zuvor gescheitert. Zum Schluss gab es elf weitere Gutachten, die Ponsold widersprachen, aber das Gericht lehnte die Wiederaufnahme mit dem Hinweis auf die höhere Kompetenz Ponsolds ab. Die Wiederaufnahme gelang erst 1969 – 14 Jahre nach dem Urteil und 16 Jahre nach dem Tod von Magdalena Gierth sowie gegen den energischen Protest der Staatsanwaltschaft. Mit Hilfe des aus Österreich stammenden und in der DDR lehrenden Professors Otto Prokop, der in seinem entscheidenden Gegengutachten argumentierte, dass die angeblichen "Drosselmerkmale" nach Eintreten des Todes entstanden und von einer Astgabel stammten, in welcher der Kopf nach dem Tode lag, sowie dass die junge, durch einen gerade versuchten Schwangerschaftsabbruch im dritten Monat und eine unmittelbar vorher überwundene Syphilis geschwächte Frau wahrscheinlich durch eine Lungenembolie einen plötzlichen Herztod erlitt, wurde Hetzel in diesem Verfahren freigesprochen. Prokop beschuldigte dabei Ponsold der groben Fahrlässigkeit. Darüber hinaus rügte er das Gericht von 1955, weil es einem Gutachten gefolgt sei, das nicht auf einer Untersuchung der Toten fußte, sondern nur auf Grund eines mangelhaften SW-Fotos entstand.

Gerade hierin gründet der gerichtsmedizinisch und rechtsgeschichtlich heikle Fall, denn auch Prokop war 16 Jahre nach dem Tod des Opfers auf dieselben, angeblich mangelhaften Fotos und den ersten Obduktionsbericht angewiesen. Für Ponsolds Argumentation ungünstig und im zweiten Verfahren entscheidend war der Obduktionsbericht, in dem Herztod als Todesursache festgestellt wurde. Die damaligen Obduzenten hatten jedoch wichtige Druckmale am Hals und Kieferknochenbereich übersehen und deshalb ähnliche Spuren im Nackenbereich als Würgemale fehlinterpretiert. Ponsold hingegen bezog alle sichtbaren Male im Hals- und Nackenbereich in seine Beobachtungen mit ein und deutete sie als Drosselmerkmale, die in der Regel im oberen Halsbereich auftreten, wohingegen Würgemale im unteren Halsbereich zu erwarten wären. So gesehen musste das Opfer mit einem Strick sogenannter "Kälberstrick" erwürgt worden sein. Im zweiten Prozess wurden die auf den Fotos sichtbaren Drosselmerkmale als postmortale Spuren gewertet, als deren hypothetische Ursache z. B. eine Astgabel angegeben wurde, auf der die Tote vielleicht zu liegen gekommen sein konnte – wenngleich zu bemerken ist, dass das symmetrische Auftreten der Spuren auf beiden Gesichtsseiten am Kieferwinkel-Knochen unterhalb der Ohren die Astgabel-Version als unwahrscheinliche Konstruktion erscheinen lassen, auch wenn Fotos vom Fundort der Leiche dies zu zeigen scheinen. Dennoch wurde Ponsold, der im zweiten Verfahren als Zeuge nicht mehr zugelassen war, der Vorwurf gemacht, er habe die Möglichkeit postmortaler Unterhautblutungen nicht gekannt, obwohl er diese bereits in seinem Lehrbuch von 1950 ausführlich diskutiert, nur im konkreten Fall als Möglichkeit ausschloss.

Das Gericht sah es mit dem Gutachten Prokops schließlich als erwiesen an, dass das Gutachten von Ponsold oberflächlich und falsch war. Alle Verletzungen, die an der Toten festgestellt wurden, wurden nunmehr mit den vergeblichen Wiederbelebungsversuchen, die Hetzel angab, aber auch mit dem danach erfolgten Transport der Toten und deren Lagerung auf einer Astgabel in einem Gebüsch erklärt. Die von Ponsold erkannten Drosselmerkmale Kälberstrick wurden ebenfalls durch die dementsprechende Lagerung der Toten durch Hetzel zugeordnet.

Prokop bewies mit eigenen Versuchsreihen, dass die Verletzungen erst nach dem Tod entstanden sein könnten, und verwies dabei auch auf ebensolche Studien von Dr. R. Schulz aus dem Jahre 1896, die gleiches bewiesen und allgemein zum Grundwissen jedes Gerichtsmediziners gehörten. Auf diese Erkenntnisse hatte Ponsold in seinem bereits erwähnten Lehrbuch aus dem Jahr 1950 längst hingewiesen. Sie waren ihm nicht, wie von Prokop behauptet, unbekannt, sondern schienen ihm im konkreten Fall höchst unwahrscheinlich.

Die Tatsache, dass Otto Prokop in der DDR lehrte und dem bundesrepublikanischen Gerichtsmediziner fehlerhafte Arbeitsweisen nachwies, machte den Prozess zum Politikum und erschütterte das Vertrauen in die bundesdeutsche Justiz immens. Immerhin hatte ein Gutachter aus dem "Unrechtsstaat" DDR mit seinem offensichtlichen Nachweis die westdeutsche Justiz der Voreingenommenheit überführt.

Hetzel erhielt eine Entschädigung von ca. 75.000 DM. 1974 lernte er seine zweite Frau kennen. Aus der Ehe der beiden stammen zwei Kinder. Beruflich wie privat fasste Hetzel jedoch nie wieder richtig Fuß. Er war oft depressiv, schloss sich teilweise zwei bis drei Tage ein und starb 1988 an Krebs. Er hinterließ seiner Familie 560.000 Mark Schulden.

                                     
  • Hans Hetzel 13. Oktober 1870 in Klopfhof bei Bartenstein 24. Juni 1949 in Nürnberg war ein deutscher Politiker Wirtschaftspartei Hetzel besuchte
  • Grégoire Hetzel 1972 französischer Filmkomponist und Schriftsteller Hans Hetzel 1926 1988 Protagonist eines bedeutenden Kriminalfalls Fall Hetzel
  • Kaspar Hetzel von Lindenach 26. Juli 1513 1499 Anführer der Berner Schlacht bei Dornach, 1513 Könizer Aufstand enthauptet. Hans Rudolf Hetzel von
  • Karl Hetzel 30. Januar 1920 in Hamborn 20. April 1972 war ein deutscher FuSballspieler, der im Spieljahr 1951 52 als Mittelstürmer des Meidericher
  • Mittelstürmer und Torjäger Karl Hetzel bildete der Flügelstürmer ein gefürchtetes Sturmduo. Krämer schlug die Flanken, Hetzel vollendete. Als Aufsteiger kam
  • Aufgrund eines umstrittenen Gutachtens von Ponsold wurde der Metzgermeister Hans Hetzel im Januar 1955 wegen Mordes an Magdalena Gierth in einem öffentlich wirksamen
  • Hetzel, Hans 1870 1949 deutscher Politiker WP MdR Hetzel Hans 1926 1988 deutscher Metzgermeister, Opfer eines Justizirrtums Hetzel Karl 1920 1972
  • Nonne Cathrin Hetzel von Lindnach, die ihm mindestens 11 Kinder gebar. Nach ersten Anstellungen als Notariats - und Unterschreiber wurde Hans von Rüte am
  • Rudolph, Markus Galla, Stephan Hetzel Andreas Niehaus, Ronny Lindemann, Michael Puse, Çengiz Karaça verdeckt Markus Dömer, Hans - Jürgen Kühl, Kersten Reinartz
  • Pilzsachverständigen. Im Jahr 1962 gründete der Rektor Max Hetzel unter Anregung von Hans Steinmann in Hornberg eine Ausstellung verschiedener Wildpilze
  • wurden in acht Teilen gezeigt, da zwei Fälle ProzeS Mariotti und Der Fall Hetzel jeweils in zwei Folgen ausgestrahlt wurden. Autor Stemmle hatte bereits
  • de 1813. Hetzel Paris 1864 L ami Fritz. Hachette, Paris 1864 Histoire d un homme du peuple. Hetzel Paris 1865 Histoire d un paysan. Hetzel Paris 1869


                                     
  • Umfang verstärkt hatte und weiterhin auf bewährte Spieler wie Karl Hetzel Kurt Neumann, Hans Krämer oder Heinrich Kreienberg setzte. Der MSV zählte zu den
  • und bildete gemeinsam mit Hans Krämer, Paul Hufnagel, Karl Hetzel sowie Kurt Küppers die Angriffsreihe des MSV. Während Hetzel über Jahre als Torjäger in
  • mit seinen Klassenkameraden Franz J. Müller, Heinz Brenner, Walter Hetzel und Hans Hirzel zum festen Freundeskreis, die dem Nationalsozialismus skeptisch
  • Hans - Martin GroSe - Oetringhaus 16. Februar 1948 in Schalksmühle - Klagebach Sauerland ist ein deutscher Pädagoge und Schriftsteller. Hans - Martin GroSe - Oetringhaus
  • hieSen Klaus Jüngling von EttlenschieS, Jörg Schüblin von Nellingen, Hans Hetzel von Weiler und Lienhard Schöttlin von Geislingen. Zuerst lieSen sie sich
  • der Torschützenliste im Westen hinter Hans Schäfer 26 Tore von Vizemeister 1. FC Köln 86: 42 Tore und Karl Hetzel 25 Tore vom Meidericher SV den 3.
  • Alfredo Kraus, Éva Marton 1992: Berislav Klobucar, Willy Dirtl 1993: Gerhart Hetzel 1940 1992, posthum Erster Konzertmeister der Wiener Staatsoper und der
  • Tagungsband zum 13. Darmstädter Gespräch. Hrsg. von Gerhard Gamm, Andreas Hetzel Markus Lilienthal. Campus 2004. Darmstädter Gespräche im Stadtlexikon Darmstadt
  • Ghostwriter The Ghost Writer Bruno Coulais Unsere Ozeane Océans Grégoire Hetzel The Tree L arbre Delphine Montoulet und Tony Gatlif Liberté Yarol
  • Tore 1951: Hans Kleina FC Schalke 04 25 Tore 1952: Karl Hetzel MSV Duisburg 25 Tore 1953: Hans Schäfer 1. FC Köln 26 Tore 1954: Hans Schäfer 1
  • alt. In: wz.de. 28. September 2010, abgerufen am 16. April 2018. Robin Hetzel Serie Düsseldorfer Geschichte n Vorfreude und der Geruch von Popcorn
                                     
  • Bd. 4, Stuttgart 1980, S. 796 799, ISBN 3 - 17 - 005708 - 1. Angelika Rieth - Hetzel Zeitzeichen. Geschichte und Geschichten aus Waldstetten - WiSgoldingen. Waldstetten
  • neu erbaut wurde. Der Rathausturm wurde von 1486 bis 1488 von Heinrich Hetzel errichtet. Nach einem Brand 1556 wurde das ursprünglich gotische Rathaus
  • Entwurf des Stadtbaurats Hetzel eine teilweise in der Literatur zu findende Autorenschaft Schwechtens ist nicht zutreffend Hetzel entwarf die Kapelle in
  • mit seinen Klassenkameraden Franz J. Müller, Heinrich Guter, Hans Hirzel und Walter Hetzel zu einem festen Kreis, der dem Nationalsozialismus skeptisch
  • Unverbesserlichen .und die Liebe 1971: Recht oder Unrecht Der Fall Hetzel 1971: Drüben bei Lehmanns Die Erbschaft 1949: Herr Glitsch wird es schaffen
  • Reichsgericht, in: Deutsche Richterzeitung 1957, Seiten 249, 250. Marius Hetzel Die Anfechtung der Rassenmischehe in den Jahren 1933 - 1939. Mohr, Tübingen
  • : Historisch - politische Mitteilungen. Band 10, 2003, S. 95 128. Marius Hetzel Die Anfechtung der Rassenmischehe in den Jahren 1933 1939. Die Entwicklung

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